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Direktbanken

Wissenswertes zu Direktbanken

Durch das Internet ist vieles einfacher geworden. Man kann bequem von zu Hause einkaufen und dabei direkt die Preise vergleichen. Man kann Urlaube buchen, ohne dafür von Reisebüro zu Reisebüro laufen zu müssen - heute schaltet man den Computer an und stellt sich seinen Traumurlaub online zusammen, bucht über Internet und hat noch den Vorteil, dass man auf viele Foren zugreifen kann, in denen Urlauber persönliche Tipps geben.

Diesen Vorteil der Bequemlichkeit haben auch die Banken entdeckt. Der Verbraucher hat keine Lauferei, und die Banken brauchen kein flächendeckendes, teures Filialnetz mehr. Eine Win-Win-Situation also, eine Situation, die beiden Beteiligten Vorteile bringt.

Direktbanken sind internetbasiert. Sie verfügen nicht über ein Filialnetz, sondern werden ausschließlich über das Internet betrieben. Dabei unterliegen sie aber den gleichen rechtlichen Bestimmungen wie Filialbanken. Das bedeutet, Kunden brauchen nicht zu befürchten daß zum Beispiel Geld, das sie bei einer Direktbank anlegen, in "irgendwelchen dunklen Kanälen verschwindet". Die meisten Direktbanken sind sowieso einer großen Filialbank zugehörig. Diese hat häufig bestimmte Geschäftsbereiche, die sich online besser und günstiger verwalten lassen, ins Direktbankgeschäft ausgelagert.

Es gibt jedoch auch Direktbanken, die ausschließlich über das Internet tätig sind, und die auch die ganze Produktpalette einer Filialbank anbieten, nicht nur Teilbereiche. Zurzeit gibt es in Deutschland sechs solche Direktbanken: 1822direkt (gehört zur Frankfurter Sparkasse), comdirect (ein Tochterunternehmen der Commerzbank), Cortal Consors (gehört zur BNP Paribas), DKB (zugehörig zur BayernLB), ING-DiBa (ein Tochterunternehmen der ING Groep N.V. aus den Niederlanden) sowie die Netbank (gehört zur Landesbank Berlin Holding). Direktbanken boomen: Bisher sind fast 10 Millionen Menschen Kunden einer Direktbank.

Trotzdem: Der Kunde möchte meist nicht mit einer "gesichtslosen" Bank Geschäfte tätigen. Die meisten Verbraucher wollen persönliche Beratung, zumindest am Anfang. Zu diesem Zweck arbeiten Direktbanken mit unabhängigen Finanzmaklern zusammen. Diese verkaufen die Produkte der Direktbanken in einem persönlichen Beratungsgespräch. Dafür erhalten sie von den Direktbanken eine Provision.

Doch einen Finanzmakler sucht sich der Kunde aus, darauf haben die Direktbanken keinen Einfluss. Um trotzdem auf dem Markt wettbewerbsfähig zu sein, müssen sie Werbung in eigener Sache machen. Das geschieht zum einen durch Werbebanner auf Internetseiten, zum anderen natürlich durch klassische Werbung in den Medien. Vor allen Dingen die ING-DiBa war vielen Kunden dank ihrer offensiven Werbung bald ein Begriff. Hervorgegangen ist sie aus der Bank für Sparanlagen und Vermögensbildung AG (BSV) in Frankfurt/Main. Diese Bank wurde gegründet, um Kunden eine Möglichkeit zu geben, die damals neu eingeführten "vermögenswirksamen Leistungen" anzulegen. Etablierte Banken waren an diesem "Pfenniggeschäft" wenig interessiert - eine Marktlücke für die BSV. Die ING-DiBa ist heute die größte Direktbank, ihr Sitz liegt immer noch in Frankfurt/Main, auch, wenn sie seit 1998 in niederländischer Hand ist.

Ein großer Vorteil der Direktbanken liegt in der internettechnisch gegebenen Verschlankung. "Lean Management", das Zauberwort der 1990er, wurde mit den Direktbanken konsequent weitergedacht. Wenig Angestellte, keine persönliche Beratung - das spart den Banken Geld. Diese Ersparnis kann die Direktbank wiederum als geldwerten Vorteil an die Kunden weitergeben. Günstige Kredite und hohe Sparzinsen sind so möglich. Auf Beratung müssen die Kunden trotzdem nicht verzichten. Bei Fragen helfen Mitarbeiter in Call-Centern weiter. Das ist zwar ingesamt für den Kunden ein wenig umständlicher, andererseits hat er aber auch nur dadurch seinen geldwerten Vorteil.

Einige Zweige des Direktbankings haben sich schon längst durchgesetzt. Online-Banking zum Beispiel, vor dem am Anfang viele Kunden zurückschreckten, ist mittlerweile für viele Alltag geworden. Es ist einfach, unkompliziert und vergleichsweise sicher. In anderen Bereichen sind Kunden jedoch noch zögerlich. Die Eröffnung eines Kontos, bei der man sehr viele persönliche Angaben machen muss, erledigen viele immer noch lieber im Zweiergespräch in der Bank ihres Vertrauens. Zu groß scheint da die Gefahr, dass man - trotz bedienerfreundlichem, geführten Menü - irgend etwas Kleingedrucktes übersieht oder sonst einen Fehler macht. Die Angst, sich dann mit einem falschen Mausklick in den Ruin zu stürzen, ist noch größer beim Abschluss eines Kredites. Auch das ist bei Direktbanken möglich, vom einfachen Privatkredit bis hin zum Immobilienkredit. Natürlich sind die Direktbanken verpflichtet, AGBs sowie die Vertragsdetails zugänglich zu machen. Doch wer versteht als "Otto Normalverbraucher" schon das Bankendeutsch, in dem die Verträge abgefasst sind? Dazu vertrauen die meisten Menschen doch auf einen persönlichen Berater, der einem alles erklärt, und dem man bei dem Beratungsgespräch in die Augen schauen kann.

Sicherlich, bei einer weitreichenden Entscheidung wie einem Immobilienkredit kann eine Filialbank, bei der man vielleicht schon lange Kunde ist, und bei der man die Mitarbeiter kennt, hilfreich sein. Doch in der Realität wird man doch sowieso die Angebote mehrerer Banken vergleichen, und spätestens dann muss man sich in die Materie einarbeiten. Oder man beauftragt gleich einen Finanzmakler - der wird dann auch die Angebote der Direktbanken prüfen. Und dort meist die günstigsten Konditionen finden.

Alles in allem haben Direktbanken viele Vorteile. Sie erleichtern tägliche Geschäfte wie Kontoführung erheblich. Überweisungen zum Beispiel kann man jederzeit tätigen. Das ist gerade für Berufstätige interessant. Online-Banking ist außerdem wesentlich transparenter, da jeder Kunde immer einen Überblick über seinen aktuellen Kontostand hat. Kontoauszüge gehören damit auch der Vergangenheit an. Wer viele Umsätze hat, weiß das zu schätzen - früher stand man dafür minutenlang am Kontoauszugsdrucker der Bank. Direktbanken bieten im Vergleich zu Filialbanken meist bessere Konditionen - einfach, weil sie weniger Ausgaben haben. Und sie sind sicher, trotz Internet. Man hat über einen Benutzer-Account jederzeit Zugriff auf seine Kontoauszüge, und kann sie über das Internet jederzeit prüfen. Auch am Wochenende oder mitten in der Nacht, und man muss dafür keinen Weg zur Bank gehen. Besonders wichtig ist das für Menschen, die in strukturschwachen Gebieten wohnen und einen längeren Weg bis zur nächsten Filiale auf sich nehmen müssten. Allerdings: Direktbanken sind nicht für jeden Menschen geeignet.

Zum einen muss man natürlich über einen Internetanschluss verfügen, und mit dem Internet auch umgehen können. Das ist immer noch keine Selbstverständlichkeit, und schon gar nicht für ältere Menschen. Zum anderen muss man AGBs und Konditionen genau lesen und verstehen können. Auch das ist, gerade bei umfangreicheren Kreditvorhaben zum Beispiel, nicht so einfach. Die meisten Verbraucher setzen daher auf einen Mix von Direktbank und Filialbank. Sie geben ihre "persönliche" Filialbank nicht ganz auf und vertrauen bei größeren Geschäften eher auf sie. Für kleinere Geschäfte und Kontoeröffnung sowie -führung, womöglich auch für den zusätzlichen Abschluss eines Tagesgeldkontos, das hohe Sparzinsen bringt, vergleichen sie die Angebote der Direktbanken und schließen dort auch ab.

Eine Sache allerdings hat sich mit dem Aufkommen der Direktbanken zum Negativen entwickelt: Mittlerweile erhält man deutlich mehr unliebsame Telefonwerbung als früher. Gerade für kleinere Direktbanken ist es eine kostengünstige Werbestrategie, für die sie Call-Center anheuern. Auch, wenn diese Art der Werbung eigentlich verboten ist, und die Rechtsprechung sich jetzt noch verschärft: Sie ist gang und gäbe und kann auf Dauer ziemlich nerven!

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